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Spuren am Wegesrand erzählen Erd-/Geschichte – Vulkane und Erdbeben im Rhein-Neckar-Raum

Vulkanausbrüche und Erdbeben – das klingt nach fernen Ländern. Wollen wir jedoch hier (in der Rhein-Neckar-Region) bleiben, wir müssen uns „nur“ auf eine Zeitreise begeben, …….so ungefähr 300 Millionen Jahre zurück. Dann würden wir uns im so genannten „Variskischen Gebirge“ befinden. Stellt Euch ein Gebirge vor, das so ähnlich ist, wie die Alpen. Das wäre dann das „Variskische Gebirge“ oder das „Grundgebirge“.

Doch hier war mehr los als in den heutigen Alpen: Vor etwa 290 Millionen Jahren (im Perm) erschütterten Vulkanexplosionen unsere Gegend. Unter unseren Füßen war einiges in Bewegung. Heiße Gesteinsmassen stiegen von den tieferen Erdkrusten nach oben, einige verblieben auf dem Weg nach oben unter der Erdoberfläche, andere gelangten durch mächtige Explosionen mit großen Gas- und Aschewolken nach oben.

In dieser Zeit entstand der sogenannte Rhyolith (auch Porphyr oder Quarzporphyr genannt), der an der Bergstraße abgebaut wurde: Weinheim, Schriesheim, Dossenheim, Handschuhsheim. Die Steinbrüche sind schon von weitem sichtbar; und sehen aus, als sei die Bergkette „angeknabbert“.

Auch bei Schriesheim, wo ich heute wandernd unterwegs bin, wurde Porphyr abgebaut. Der Steinbruch ist heute stillgelegt und ist als Klettergebiet bekannt. Neben einem Waldweg finde ich die erste Spur: eine Lore, die einstmals Porphyrstücke ins Tal gebracht hat. Ein Blick in die Karte: JA, ich befinde mich gerade auf direktem Weg zwischen Steinbruch und Tal.

Lore

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Um mich herum, am Wegesrand und am Waldhang: jede Menge Lesesteine. Ihre Struktur: blasig, feinkörnig und bunt. Das Farbspektrum reicht von weißlich-grau über gelb bis rötlich. Auf diese unterschiedlichen Farben des Porphyrs treffe ich immer wieder.

Auch eine Ruine im Wald weist auf den vergangenen Abbau hin. Verfallene Wegbefestigungen eines Weges, der in Richtung Steinbruch führt, eine Station für den Transport des Materials – ich meine auch die Schienen für die Loren zu erkennen. Geheimnisvoll, in keiner Karte verzeichnet.

Lost place

Kurze Zeit später komme ich an einem erodierendem Hang vorbei. Hier bröckelt der Granit . Für die Schriesheimer Region typisch: der grobkörnige Biotitgranit (wie beschrieben in RÜGER, S. 253, S. 61).

Er bröckelt regelrecht… ich vermute, dass das Gestein durch die Erschütterungen im Perm vor 290 Millionen Jahren (die Zeit der hiesigen Vulkanausbrüche) bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde; oder aber durch zahlreiche Erdbeben im Zuge des Oberrheingrabeneinbruchs (vor 65 Millionen Jahren).
(Artikel zum Granit: Kontinente in Bewegung. Entstehung der Odenwälder Granite)

Granit.jpg

Und ein weiteres geologisches Zeitalter begegnet mir noch auf der Wanderung: Die Eiszeit. Ein umgestürzter Baum offenbart mir unter seinem Teller den Boden mit eindeutigem Lössanteil (Artikel zum Löss: Löss in Süddeutschland – Entstehung und Charakteristika). Die Bodenverwitterungsprozesse sind zwar erkennbar, aber die Fingerprobe zeigt: das Material bleibt in den Fingerrillen hängen, was auf einen sehr hohen Schluffanteil schließen lässt.

 

zitierte Literatur: Rüger, L.(1928): Geologischer Führer durch Heidelbergs Umgebung.

 

 

 

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Kontinente in Bewegung. Entstehung der Odenwälder Granite

Vor mehr als 400 Millionen Jahren waren die Kontinente noch nicht so wie heute verteilt. Es gab noch kein Amerika und kein Afrika, so wie wir es heute kennen, statt dessen gab es Kontinente wie Gondwana und Laurasia (auch Old-Red-Kontinent genannt). Dazwischen größere Inseln (so genannte „Terrane“) wie bespielsweise Avalonia und Armorika – dort etwa läßt sich die Region des heutigen Odenwalds verorten.

Verteilung der Kontinente im Mitteldevon Quelle: Weber/ Bühn (2006): S. 6

Kontinente befinden und befanden sich stets in Bewegung. Vor ca. 400 Millionen Jahren (im Karbon) begannen die beiden Großkontinente mit den Terranen dazwischen zu kollidieren.

Zunächst tauchte die ozeanische Kruste unter die kontinentale Kruste. Es kam zu einer so genannten Subduktion, wie es heute noch z.B. in den Anden der Fall ist. Daraus folgte eine Aufschmelzung des Gesteins. Magma drang stieg von unten her auf. An manchen Stellen trat es durch Vulkanausbrüche an die  Erdoberfläche, an anderen Stellen blieb es unterirdisch.

Grafik

Quelle: Eigene Erstellung in Anlehnung an Faupl 2003: 76

Ein Hochgebirge vergleichbar mit den Alpen, das so genannte Variskische Gebirge, entstand.

In den Bereichen des (Kristallinen) Odenwaldes sind Reste dieses Hochgebirges zu finden. Etwas unterhalb des Heidelberger Schlosses, welches von dem Standort aus zu sehen ist, steht Granit an (= das kann man dort sehen und anfassen). Das Gestein wird „Heidelberger Granit“ bezeichnet. Es ist kristallin, das heißt, dass mit bloßem Auge die einzelnen Kristalle erkennbar sind: die  weißen Minerale sind Quarz, die schwarzen Biotit und die rosa/ rötlichen sind Feldspäte.